Bärengalle

Bei Bärengalle handelt es sich um den Gallensaft von Bären, der im Rahmen der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) für Behandlungen von Leber- und Augenbeschwerden verwendet wird. Bärengalle verfügt über den Wirkstoff Ursodeoxychol-Säure (UDCA), die auch in westlichen Regionen zur Behandlung beziehungsweise Auflösung kleiner Gallensteine sowie bei unterschiedlichen Lebererkrankungen genutzt wird. Allerdings wird Bärengalle hierfür synthetisch hergestellt.

Gewinnung von Bärengalle

In China wie auch in anderen südost- und ostasiatischen Ländern wird Bärengalle hauptsächlich durch ‚Melken‘ der Bären gewonnen. Dafür werden die Tiere auf sogenannten Bärenfarmen in sehr engen Käfigen dauerhaft eingesperrt. Dabei wird normalerweise ohne Betäubung ein Stahl-/Kunststoffkatheder chirurgisch implantiert, sodass die Bärengalle letztendlich vom lebendigen Bären regelrecht abgezapft wird.

Dieses ‚bear farming‘ wurde im Verlauf der 1980er Jahre von Südkorea nach China exportiert, damit die Jagd auf wilde Bären eingedämmt wird. Der Gallensaft wird zwei Mal pro Tag abgezapft, sodass ein Bär pro Jahr circa zweitausend Gramm getrocknete Bärengalle produziert. Insgesamt erwirtschaften Bärenfarmen auf diese Art ungefähr 7.000 Kilogramm der raren Bärengalle.

Verwendung der getrockneten Bärengalle

Bärengalle wird gleichermaßen vom staatlich-amtlichen Arzneibuch in China empfohlen wie auch bei Behandlungen innerhalb der TCM eingesetzt. Folgende Beschwerden sollen durch Bärengalle gemildert werden:
– soll Hitze in der menschlichen Leber beseitigen
– giftige Substanzen und Hitze sollen entfernt werden
– bringt Erleichterung bei krampfartigen Anfällen und allgemeinen Krämpfen
– soll die Sehschärfe positiv beeinflussen.

In China enthalten 28 dort patentierte Medikamente Bärengalle. Die getrockneten Gallenblasen der Bären, ob von wild lebenden, erlegten oder verendeten und aus ‚bear farming‘, werden im Rahmen der TCM verwendet. Außer in den Arzneien ist Bärengalle unter anderem in Zahnpasta, Shampoos und Cremes sowie in Halsbonbons vorhanden.

‚Bear farming‘ und Tierschutz

Obwohl das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen ein Handelsverbot für Bärenprodukte erlassen hat und der Möglichkeit den Wirkstoff UDCA synthetisch herzustellen (in westlichen Ländern werden pro Jahr 200 Tonnen synthetisches UDCA eingesetzt), wächst die Anzahl der Bärenfarmen. Die TCM ist dabei der hauptsächliche Grund, da diese Behandlungen steigender Nachfrage unterliegen. Gegenüber der Welttierschutz-Gesellschaft bestätigten chinesische Artenschutz-Beauftragte, dass dort inzwischen 170 Bärenfarmen mit circa 9.000 Bären existieren.

‚Bear farming‘ zur Gewinnung der begehrten Bärengalle verurteilen westliche wie auch asiatische Tierschutzorganisationen mit Nachdruck. Die Tiere werden dort normalerweise in winzigen Eisenkäfigen gehalten. Laut AAI (Pharmazeutische Forschung/Applied Analytics Industries) wird die Bauchdecke der Bären ohne jegliche Anästhesie mittels primitivster Werkzeuge durchstochen, sodass sich die Gallenflüssigkeit direkt abzapfen lässt. Da dieser Prozess unsteril abläuft, sind die Katheder innerhalb kurzer Zeit stark verschmutzt. Die Tiere erleiden dadurch schmerzhafte, chronische Infektionen im Bauchraum, welche normalerweise bald zum Tod der Bären führt.

Anlässlich der Olympischen Spiele anno 2008 in China hat das EU-Parlament mittels überparteiliche Erklärung die chinesische Regierung aufgefordert, die grausamen Praktiken des ‚bear farmings‘ zu beenden.

Fazit: Die Produktion der Bärengalle stieg auch aufgrund des TCM-Booms in westlichen Ländern und besonders Europa. Obwohl das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen jeglichen Handel streng untersagt und TCM-Anwender in westlichen Ländern Produkte von Bären ablehnen, zeigen Untersuchungen, dass dort etwa 75 Prozent aller TCM-Arzneien Bärengalle enthalten. Derzeit steht ein Schnelltest zur Verfügung, der Bärenproteine nachweist. So besteht die Hoffnung, dass der Handel mit Bärengalle unterbunden wird.