Herzinfarktrisiko erhöht
Mediziner bestätigen erneut, dass ein Diabetesmittel Herzprobleme verursacht. Der Hersteller hält sein Medikament nach wie vor für sicher.
Handelsblatt,
Wissenschaft, S. 9, 13. September 2007
HB130907 - Der weltweit millionenfach genutzte
Blutzuckersenker Rosiglitazon erhöht das Risiko für
Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Diesen Verdacht bestätigt
erneut eine Studie einer Medizinergruppe um Sonal Singh vom
Baptist Medical Center der Wake Forest University, USA.
Im Gegensatz zu vorhergehenden Untersuchungen betrachteten
die Mediziner in ihrer Übersichtsarbeit das Langzeitrisiko
des Diabetes-Mittels, das von GlaxoSmithKline (GSK) unter
dem Namen Avandia vertrieben wird. Ergebnis: Wenn Patienten
das Medikament länger als ein Jahr eingenommen hatten,
erlitten im Durchschnitt doppelt so viele Typ-2-Diabetiker
eine Herzschwäche wie in der Kontrollgruppe, ihr Risiko für
Herzinfarkt war um 42 Prozent erhöht. Die Zahl der
Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen stieg
indes nicht durch die Einnahme von Avandia.
Autor Solan Singh hält das Risikopotenzial des Wirkstoffs
für beträchtlich: "Die Regulierungsbehörden sollten
dringend darüber beraten, ob dieses Medikament auf dem
Markt bleiben soll."
Zuletzt hatte eine große Übersichtsarbeit im Mai gezeigt,
dass Rosiglitazon das Risiko für Herzprobleme steigert. Die
amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnte Mitte August
aufgrund dieser und anderer Untersuchungen vor dem erhöhten
Risiko für Herzinsuffizienz. Derzeit berät die Behörde, ob
sie diese Warnung auch für Herzinfarkte aussprechen soll.
GlaxoSmithKline hält die Untersuchung für wenig
aussagekräftig: Die Datenauswahl sei hochselektiv, da nur
vier von 116 infrage kommenden Studien berücksichtigt
wurden. Singh und seine Kollegen begründen dies mit der
mangelnden Qualität der ausgeschlossenen Studien.
Der Pharmahersteller verweist zudem auf Zwischenergebnisse
der eigenen Langzeitstudie RECORD. Danach sei das Risiko
für Herz-Kreislauf-Probleme auch nach vier Jahren
vergleichbar mit dem der Kontrollgruppe. "Bei korrekter
Anwendung ist Rosiglitazon sicher", so GSK.
Experten warnen verunsicherte Betroffene, trotz der
aufgetretenen Bedenken auf keinen Fall das Medikament
selbstständig abzusetzen. Sie sollten erst mit ihrem Arzt
klären, welche Möglichkeiten es gebe.
Handelsblatt,
Wissenschaft, S. 9, 13. September 2007
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