Bienen aus der Konserve
Insekten haben keine Kühlschränke - wie also schützen sie ihre Vorräte vor Pilzen und Bakterien? Eine Raubwespe benutzt dazu das Wasser, das ihr im Munde zusammenläuft.
Süddeutsche Zeitung , Wissen, S. 18, 23.
Januar 2007
SZ230107 - Bienenwölfe haben ein Problem, das
jeder kennt, der einen Festtagsbraten oder andere
Lebensmittel ein paar Tage lang aufbewahren möchte: Ohne
Kühlschrank wird das Essen schnell schlecht und schimmelt.
Pilze und Bakterien machen sich über die Nahrung her.
Der in wärmeren Regionen Deutschlands heimische Bienenwolf
- eine gelb-schwarz gestreifte Raubwespe mit einer Vorliebe
für Bienen - kennt eine alternative Konserviermethode: Er
verwahrt betäubte Bienen bis zu elf Tage lang im
feucht-warmen Klima seiner Brutkammern allein durch die
Kraft seiner Spucke. Das entdeckten Gudrun Herzner und
Erhard Strohm von der Universität Regensburg (Current
Biology, Bd. 17, S. 46, 2007).
Bis zu sechs paralysierte Bienen lagert ein
Bienenwolf-Weibchen im Sommer in Brutkammern ein paar
Zentimeter tief im sandigem Boden ein. Die Luftfeuchtigkeit
in den Kammern erreicht tropische Verhältnisse, bis zu 30
Grad Celsius bei hundert Prozent Luftfeuchtigkeit. Das
Klima bietet ideale Bedingungen für Schimmelpilze, die das
Frischfleisch bedrohen, an dem sich die geschlüpfte
Bienenwolf-Larve fett und rund fressen soll.
Schutz vor Schimmel
Um den Schimmel zu bekämpfen, schleckt die Wespenmutter die
Bienen ab, bevor sie ihr Ei, samt Beute in der Kammer
zurücklässt. "Das Weibchen balsamiert die Biene vollständig
ein, und hüllt den Körper in eine dünne Sekretschicht mit
einem hohen Anteil an langkettigen ungesättigten
Kohlenwasserstoffen", sagt Gudrun Herzner.
"Damit greift das Weibchen den Schimmelpilz an seiner
Achillesferse an", sagt Erhard Strohm, der die Wespen seit
zwanzig Jahren untersucht. Das Einbalsamieren verhindert,
dass sich Feuchtigkeit auf den Bienenkörpern niederschlägt.
Das zeigen Versuchsreihen mit unbeleckten und beleckten
Bienen und der Blick durchs Rasterelektronenmikroskop. Die
ungesättigten Kohlenwasserstoffe verleihen der Balsamhülle
eine ölige Konsistenz, die wasserabweisend wirkt. "
Zudem bedeckt der Speichel Feinstrukturen und
Schmutzpartikel, die dann nicht mehr als Kondensationskerne
für die Feuchtigkeit fungieren können", sagt Herzner.
Wie Strohm gemeinsam mit Martin Kaltenpoth von der Uni
Würzburg vor zwei Jahren herausgefunden hat, wird auch der
Kokon, in dem sich die fette Larve in den Bienenjäger
verwandelt, vor Schimmel geschützt. In diesem Fall setzen
die Wespen auf die Unterstützung von Bakterien, die in
ihren Fühlern leben.
Bevor die Mutter die Brutkammer verlässt, presst sie die
Einzeller aus ihren Fühlern und schmiert sie an die Decke
der Bruthöhle. Die Larve nimmt die Bakterien auf und webt
sie in den Kokon ein.
"Wir wissen, dass die Bakterien irgendwie den Kokon
schützen", sagt Strohm. Denn ohne Bakterien schimmelt der
Kokon so schnell wie die Bienen ohne Spucke.
Die wahrscheinlichste Erklärung sind Antibiotika: "Die
Bakterien gehören zur Gruppe der Streptomyceten, von denen
ein Großteil der Antibiotika stammt, die in der Medizin
eingesetzt werden", sagt Kaltenpoth.
Einige Antibiotika wirken auch gegen Pilze. Die
keimtötenden Substanzen in solch geringen Mengen
nachzuweisen, ist allerdings sehr schwierig. Martin
Kaltenpoth hofft jetzt, in den Genen der Bakterien Hinweise
auf die Antibiotikaproduktion zu finden.
Effektiv ist es auf jeden Fall, wie die Bienenwölfe ihre
Brut schützen. Nur in vier von hundert untersuchten Kammern
fanden Strohm und seine Kollegen einen grünen
Schimmelflaum.
Süddeutsche Zeitung , Wissen, S. 18, 23.
Januar 2007
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