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US-Forschern ist es erstmals gelungen Mäuse künstlich in den Winterschlaf zu versetzen. Mediziner hoffen auf eine Revolution in der Therapie zahlreicher Krankheiten.

Süddeutsche Zeitung Wissen, S. 13, 22. April 2005


NG220405 - Menschen in einen künstlichen Winterschlaf zu versetzen: Davon träumen nicht nur Weltraumexperten. Denn was Astronauten jahrelange Reisen durchs All ermöglichen soll, könnte auch das Leben irdischer Patienten verlängern - zum Beispiel nach kritischen Operationen: Dank eines reduzierten Stoffwechsels und ungewöhnlich tiefer Körpertemperaturen würden die Patienten widrige Zeiten einfach verschlafen.

Um die Vorteile des Winterschlafs erfolgreich zu nutzen, müsste sich der ungewöhnliche Körperzustand aber schnell und einfach erzeugen lassen. Genau das ist Biochemikern aus Seattle jetzt erstmals bei Mäusen gelungen. Eric Blackstone und seine beiden Kollegen Mike Morrison und Mark Roth flößten laut ihrem Bericht im Fachmagazin Science (Bd. 308, S. 518, 2005) Labormäusen Schwefelwasserstoff ein. Nach fünf Minuten sank der Sauerstoffverbrauch der Tiere auf die Hälfte; der Ausstoß von Kohlendioxid - ein Maß für die Aktivität des Stoffwechsels - fiel sogar um 60 Prozent.

Nach sechs Stunden war die Stoffwechselrate auf zehn Prozent ihres ursprünglichen Wertes gesunken, ähnlich einem Tier im Winterschlaf. Die Körpertemperatur der Mäuse lag nur noch rund zwei Grad höher als die Raumtemperatur, die Blackstone und seine Kollegen auf 13 Grad gedrosselt hatten.Je höher das Gas konzentriert wurde, desto schneller und tiefer sank die Körperkerntemperatur der Nager.

Sobald dasGas abgesetzt wurde, wachten die Tiere problemlos auf. In Verhaltensexperimenten zeigten die Vierbeiner keine Beeinträchtigungen. Auch nach mehrmaligem Einschlafen und Aufwachen, was beim Winterschlaf regelmäßig passiert, war den Mäusen keine Schädigung anzumerken. Durch das neue Verfahren gewinne man in kritischen Phasen wertvolle Zeit - zum Beispiel, wenn ein Körperteil nach einem Infarkt kaum noch mit Blut versorgt wird und der Sauerstoffbedarf heruntergesetzt werden muss. Auch Patienten, die auf Organtransplantationen warten, könnten vom Winterschlaf profitieren.

Dass Menschen einen künstlichen Ruhezustand im Prinzip schadlos überstehen können, haben Unfälle immer wieder gezeigt: Mediziner können von Patienten berichten, die einen Sturz in eiskaltes Wasser ohne körperliche Schäden überlebt haben.

Süddeutsche Zeitung Wissen, S. 13, 22. April 2005


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