Das Rätsel der Minitomate im Morgenrock
Gesprächsthema am nächsten Buffet: Kölner Forscher haben das genetische Rätsel gelöst, wie Physalis zu ihrem filigranen Mäntelchen kommt.
National Geographic, Geographica, S. 12,
August 2005
NG0805 - Die grazile Hülle von Physalis, der
Chinesischen Laterne, ist ein Blickfang vieler kalter
Büffets. Sie entsteht, wenn die Kelchblätter der offenen
Blüte nach der Befruchtung weiterwachsen und die Frucht
umschließen. Aber warum tun sie das nicht auch bei Tomate
oder Kartoffel, beide botanische Verwandte der Physalis?
Die Kölner Max-Planck-Forscher Chaoying He und Heinz
Saedler entschlüsselten jetzt den Mechanismus hinter dieser
Besonderheit: Ein Gen hat seinen Arbeitsbereich erweitert.
Dieser DNA-Abschnitt reguliert normalerweise das Wachstum
der Pflanze außerhalb der Blüte.
Bei Physalis erstreckt sich die Wirkung als Folge einer
Mutation aber nun auch auf die Blüte - und erzeugt eine in
der Natur völlig neue Gestalt. Für die Kölner Forscher ist
dieser Wandel einer bestehenden Funktion ein Musterbeispiel
dafür, wie in der Evolution der Pflanzen morphologische
Vielfalt entsteht.
National Geographic, Geographica, S. 12,
August 2005
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2005