Geschmack ist Gensache


Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – oder eben doch vortrefflich. Warum manch einer bestimmte Gemüsesorten mag, andere aber nicht, darüber entscheidet letztlich ein Gen.

National Geographic Geographica, S. 14, Juli 2005


NG0705 - Warum manche Menschen bestimmte Bitterstoffe – die etwa für einige Gemüsesorten typisch sind – viel besser schmecken als andere, hängt davon ab, in welcher Variante ein ganz bestimmtes Gen in ihrem Erbgut vorliegt. Das haben Forscher um Wolfgang Meyerhof vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam nachgewiesen.

Was wir wie auf der Zunge schmecken, bestimmen die dort befindlichen Rezeptoren der Geschmacksknospen. Wir haben Rezeptoren für süß, sauer, bitter, salzig und umami, das durch den Geschmacksverstärker Glutamat erzeugt wird. Allein für die Wahrnehmung von bitter gibt es rund 25 verschiedene Gene, die wiederum in unterschiedlichen Varianten das Geschmacksempfinden steuern. Bei den beiden Bitterstoffen Phenylthiocarbamid und Propylthiouracil ist es so, dass etwa zwei von drei Europäern sie bis zu 1000-mal besser schmecken als das restliche Drittel.

Eine Folge: Viele dieser guten Bitterschmecker mögen oft weder Kohl noch Spinat, die solche Stoffe enthalten. Ein kurioser Nebeneffekt: Menschen, die auf diese Bitterstoffe nicht so empfindlich reagieren, neigen nach anderen Untersuchungen dazu, fettreicher zu essen, und bringen auch mehr Gewicht auf die Waage.

National Geographic Geographica, S. 14, Juli 2005

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Die Texte 2005