Erfolgreich mit weniger Hirn
Evolutionärer Fortschritt im Sinne von "immer größer" ist nicht immer erfolgreich. Evolution arbeitet auch nach dem Prinzip "weniger ist mehr", wie etwa bei Fledermäusen.
National Geographic
Geographica, S. 20, Dezember 2005
NG1205 - Auf Hirnmasse zu verzichten kann eine
erfolgversprechende Strategie sein - für Fledermäuse. Das
fanden Zoologen der Universität Zürich heraus. Sie
verglichen 104 Fledermausarten, vermaßen deren Hirngröße
und beobachteten ihr Jagdverhalten. Dabei entdeckten sie
eine klare Beziehung: Fledertiere, die im offenen Gelände
jagen, haben im Verhältnis zur Körpergröße kleinere Gehirne
als die Arten im Wald.
"Die Waldjäger legten im Zuge der Evolution Gehirnmasse zu,
um die neuronale Struktur auf zubauen, die sie für riskante
Hindernisflüge zwischen Zweigen und Büschen brauchen", sagt
der Biologe Kamran Safi. Arten dagegen, die über Wiesen und
Seen jagen, wie der Große Abendsegler, können es sich
leisten, auf Hirnmasse und damit auf Ballast zu verzichten:
"Für das Jagen im offenen Luftraum braucht er schlicht
weniger Hirn." Das Tier spart so Gewicht und verbraucht zum
Fliegen weniger Energie. Ein Beispiel, "wie man auch mit
weniger Köpfchen Erfolg haben kann", sagt Safi.
National Geographic
Geographica, S. 20, Dezember 2005
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2005