Zuckende Sternenleiche
Heidelberger Astronomen entdeckten ein kurzes Aufbäumen der Sternenleiche Cassioppeia A. Ein Hinweis, dass der Neutronenstern ein Magnetar ist. Es wäre der erste lokalisierte.
National Geographic Geographica, S. 11,
Oktober 2005
NG1005 - Massereiche Sterne sind wie die Legenden
im Filmgeschäft: Sie leben schnell und intensiv und sterben
meistens früh. Auch ihr Ende ist oft spektakulär. Als
Supernova lenken sie noch einmal mit einer Explosion, die
das Licht einer kompletten Galaxie überstrahlt, die Blicke
aller astronomisch Interessierten auf sich.
Nach der Explosion bleibt ein Neutronenstern zurück - eine
Sternenleiche, umgeben von einer Hülle aus Staub und Gas,
die sich rasend schnell ins All ausdehnt. "Cassiopeia A"
hatte - aus irdischer Sicht - ihren großen Moment im Jahr
1680. Damals erreichte das Licht der jüngsten Supernova
unserer Galaxis die Erde.
Die aktuelle Falschfarbenaufnahme ist kombiniert aus Fotos
des Röntgensatelliten Chandra und der Weltraumteleskope
Hubble und Spitzer. Anders als bei vergleichbaren
Supernovae scheint "Cassiopeias" Todeskampf noch nicht
beendet zu sein.
Heidelberger Astronomen haben kürzlich noch einmal ein
Zucken der Supernova-Reste beobachtet. Vor etwas mehr als
50 Jahren muss die Sternenleiche noch einmal gewaltige
Energiemengen ausgestoßen haben. Der vermutliche Grund: Das
Sternenskelett im Zentrum (weiß gerahmt) scheint ein so
genannter Magnetar zu sein - also ein Neutronenstern,
dessen Magnetfelder 1000fach stärker sind als normal.
Kosmische Beben erschüttern seine Oberfläche, wobei
Gammastrahlung ausgesandt wird.
Bisher waren solche Ausbrüche nur registriert worden, ohne
die Quelle lokalisieren zu können. "Cassiopeia A" wäre der
erste Magnetar, von dem Astronomen seine exakte Position
und Vorgeschichte kennen.
National Geographic Geographica, S. 11,
Oktober 2005
zurück zu: Die Texte
2005