Pünktlich liefern nach Ameisenart
Ein mathematisches Modell kopiert mit Erfolg Transportstrategien der Natur. Ameisen und Bienen zeigen wie man pünktlich liefert.
National Geographic,
Geographica, S. 12, Januar 2005
NG0105 - Ameisen und Wespen halfen Münchner
Entwicklern, eine Software zu entwickeln, mit der
Lieferungen pünktlicher als bisher den Empfänger erreichen.
Thomas Runkler und sein Team vom Fachzentrum
Neuroinformatik der Siemens AG suchten nach einem Weg,
damit Paketsendungen auch dann noch pünktlich ankommen,
wenn durch Verzögerung bei den Einzelkomponenten eine
Verspätung der gesamten Lieferung droht.
Genau wie Ameisen anfangs rein zufällig auf eine
Futterquelle stoßen, teilt der entwickelte Algorithmus die
Komponenten den Warenlieferungen zunächst rein zufällig zu.
Mit der Zeit zeichnet sich dann eine Zuteilung ab, die
häufiger erfolgreich ist als andere. Genau wie bei den
Ameisen, die immer häufiger den kürzesten Weg nutzen, um
die Futterquelle zu erreichen. „Wir gewinnen dabei Zeit,
weil wir nur wenige Möglichkeiten durchrechnen müssen“,
sagt Runkler. Schon nach wenigen Durchgängen ist die
Zuteilung optimiert.
Von Wespen schauten sich die Münchner Entwickler das
Hierarchie-Prinzip ab. Jede Wespe hat eine bestimmte
Aufgabe. Je wichtiger ihre Aufgabe ist, etwa die
Nahrungssuche oder die Verteidigung des Baus, desto eher
setzt sie sich gegen andere durch. Im mathematischen Modell
entspricht ein Auftrag einer Wespe. Seine Bedeutung hängt
von der Zahl der noch fehlenden Komponenten oder seiner
eventuellen Verspätung ab. Steigt ein Auftrag in der
Hierarchie ganz nach oben, geht er als erster auf die
Reise.
Die flexible Logistik nach dem Vorbild der Natur
funktioniert. In einem Pilotprojekt verdoppelte sich die
Anzahl pünktlicher Lieferungen.
National Geographic,
Geographica, S. 12, Januar 2005
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2005