Luise, die "Lady Di" der Preußen


Königin Luise von Peußen war die erste "Mutter der Nation". Der Berliner KunsthistorikerPhilip Demandt erklärt, warum der Mythos der zehnfachen Mutter bis heute angehalten hat.

National Geographic, Geographica, S.14, Mai 2004


NG0504 - Frische Blumen zieren das Grab der Königin Luise von Preußen in Berlin. Fast 200 Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1810 wird sie wieder verehrt wie einst. "Ihre Schönheit, ihre Gegnerschaft zu Napoleon und ihr früher Tod in schwerer Zeit beförderten ihren Ruf als nationale Heilsfigur", sagt Philipp Demandt, Kunsthistoriker an der Freien Universität Berlin.

In ihrem damaligen Tun sieht er auch den Grund für ihre aktuelle Wiederentdeckung durch das Volk: "Das Auf und Ab des Luisenkults ist ein Spiegelbild der Werte und Bedürfnisse der jeweiligen Zeit." Luise war die erste "Mutter der Nation". Sie brachte in einem kurzen Leben von nur 34 Jahren zehn Kinder zur Welt. Die "preußische Madonna" - Beispiel für Gemeinschaftssinn, Tapferkeit, Opfergeist, Familiensinn und Häuslichkeit - prägte die Kindererziehung und das deutsche Frauenbild bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Die nationalen Auswüchse im "Dritten Reich" ließen es dann bis in die achtziger Jahre still werden um den "Engel aus dem Hohenzollernhaus". Mit der Wiedervereinigung begann die Renaissance Luisens als bürgerliche Kultfigur.

National Geographic, Geographica, S.14, Mai 2004

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Die Texte 2004