Sparsame Greifer


Eine Berliner Tierforscherin entdeckte, dass Affe, Elefant und Tintenfisch mehr gemeinsam haben, als man zunächst vermutet.

National Geographic, Geographica, S. 12, Oktober 2004


NG1004 - Ein Klammeraffe, der an seinem Schwanz durch den Dschungel schwingt, und ein Elefant, der mit seinem Rüssel nach einem schmackhaften belaubten Zweig greift, nutzen das gleiche energiesparende Prinzip. Das hat Franziska Martin von der Freien Universität Berlin entdeckt. Auch der Tintenfisch greift mit seinen Tentakeln darauf zurück.

Alle drei besitzen hoch flexible Organe. Rüssel und Tentakel unterscheiden sich dabei deutlich vom Greifschwant: der besitzt Knochen, Rüssel und Tentakel sind rein muskolös. Die Evolution hat also bei verschiedenen Tiergruppen – Säugern und Weichtieren – und mit unterschiedlichen anatomischen Bauplänen die gleiche Funktion entwickelt.

Gezielte Bewegungen im Raum erforden energieintensive Rechenleistungen des Gehirns. Andererseits ist die Natur bestrebt, Energie zu sparen. Das ist nicht einfach, wenn ma x-mal am Tag 150.000 Muskelfasern koordinieren muss, wie der Elefant in seinem Rüssel. Mit Videoaufnahmenenthüllte die Forscherin den Trick von Elefant, Klammeraffe und Tintenfisch.

"Sie schränken die Bewegungsmöglichkeit des Greiforgans ein", sagt sie. Affe, Elefant und Tintenfisch teilen den "Arm" durch Muskelkontraktion in zwei Abschnitte. Der körpernahe Teil wird zum stabilen Lastarm, der körperferne Teil bleibt flexibel und schwingt Richtung nahrung oder Halt. So entsteht an der Biegestelle ein Gelenk nach Bedarf. Die enrgieintensive Steuereung kann sich nun auf dieses Gelenk konzentrieren, der Rest der Bewegung ergibz sich, rein mechanisch, von allein.

National Geographic, Geographica, S. 12, Oktober 2004

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