Asien droht auszutrocknen


Menschliche Fehler verstärken die Folgen der gobalen Erwärmung. Der Wirtschaftsgeograph Ernst Giese ist skeptisch, ob diese Entwicklung aufzuhalten ist.

National Geographic, Geographica, S.16, Mai 2004


NG0504 - Es könnten "Spiele im Staub" werden, wenn 2008 die Sportler der Welt in China um die Medaillen kämpfen. Menschen tragen Mundschutz, Wettkämpfe werden abgesagt, weil die Luft geschwängert ist vom Sand und Staub aus den vertrocknenden Regionen Zentralasiens.

Jeder kennt die Bilder des dahinsiechenden Aralsees auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan und Usbekistan. Doch er ist nur ein Symbol für die dramatische Situation einer ganzen Region. "Ähnlich sieht es in Xinjiang/VR China aus, wo der untere Tarim einschließlich seiner Endseen, Lop-Nur und Taitmar-See, ausgetrocknet ist", sagt Ernst Giese, Geograph von der Universität Gießen. Je trockener Zentralasien wird, desto häufiger ziehen Sandstürme über den Kontinent. Immer mehr Staub steigt in die Atmosphäre.

Es ist zu einfach, nur der kommunistischen Planwirtschaft mit ihrer verschwenderischen Wassernutzung den Schwarzen Peter zuzuschieben. "Das ist ein kompliziertes Geflecht menschlicher Fehler und natürlicher Ursachen, die sich gegenseitig verstärken", so Giese. Menschen haben den Seen das Wasser abgegraben, doch auch das Klima hat sich erwärmt.

"Diese Erwärmung verstärkt den Effekt der Austrocknung", sagt Giese. Die Gefahr von Sandstürmen steigt unter bestimmten Wetterlagen, immer mehr feiner Staub steigt auf. Gibt es Hoffnung, dass sich die Situation bessert? Giese ist skeptisch: "Das spielt sich in globalen Kategorien ab, da kann man wenig machen."

National Geographic, Geographica, S.16, Mai 2004

zurück zu:
Die Texte 2004