Virus versus Virus
Impfstoff gegen West-Nil-Erreger
Süddeutsche Zeitung
Wissenschaft, 19. August 2003
SZ190803 - Weltweit sorgt die rasante Ausbreitung
des für Mensch und Tier tödlichen West-Nil-Virus für
Aufregung (SZ, 12.8.). Jetzt hoffen Virenjäger auf einen
Wirkstoff, der den Erreger vielleicht in Schach halten
könnte: Roy Hall von der Universität von Queensland und
sein Team aus Brisbane entdeckten einen Impfstoff, mit dem
sie Mäuse gegen die besonders gefährliche amerikanische
Variante der aus Afrika stammenden Krankheit immun machten.
Ihre Methode hört sich zwar an, als ob sie den Teufel mit
dem Beelzebub austrieben, im Labor erwies sich der Trick
aber als wirkungsvoll, so die Australier in der
Online-Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS.
Hall und Kollegen bastelten einen DNS-Ring (Plasmid), der
im Körper der Mäuse die RNS des Kunjin-Virus erzeugte.
Dieser Erreger ist mit dem West-Nil-Virus genetisch fast
identisch, führt aber bei Menschen und Pferden nur in sehr
seltenen Fällen zum Ausbruch der Krankheit, die dann nicht
tödlich endet. Um ganz sicher zu gehen, nutzten die
Forscher zudem eine durch eine Mutation abgeschwächte Form.
Trotzdem stachelte die Kunjin-RNS die Immunabwehr der Mäuse
so gut an, dass sie Antikörper produzierten, die die Nager
sowohl vor Kunjin als auch vor einer tödlichen Dosis mit
West-Nil-Viren schützten.
Süddeutsche Zeitung
Wissenschaft, 19. August 2003
zurück
zu: Die Texte 2003