Irenäus Eibl-Eibesfeldt

Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist der wohl bekannteste Verhaltensforscher und Begründer der Humanethologie. Der Schüler von Konrad Lorenz wurde 1928 in Wien geboren. Als studierter Zoologe hat Eibl-Eibesfeldt sich in jungen Jahren seiner akademischen Laufbahn vor allem mit dem Verhalten der Tiere beschäftigt, ehe er seine Forschung voll und ganz auf das Verhalten der Menschen konzentriert hat. Seine akademischen Arbeiten und Veröffentlichungen gelten als die Standardwerke im Bereich der Verhaltenforschung. Doch der international mit Preisen und Auszeichnungen dekorierte Wissenschaftlicher hat mit seinen Thesen auch häufig für Diskussionsbedarf gesorgt.

Studium in Wien und Schüler von Konrad Lorenz

Irenäus Eibl-Eibesfeld wurde am 15. Juni 1928 in Wien geboren und studierte von 1945-1949 Zoologie und Botanik an der Universität Wien. Bereits während seiner Studienzeit war er von 1946-1949 als Mitarbeiter von Otto Koenig an der Biolgischen Station Wilhelminenberg tätig. Seine Lehramtsprüfung legte er in Naturgeschichte und Physik ab, promovierte bei Konrad Lorenz und war nach Abschluss seines Studiums bis 1950 an dessen Privatem Institut für Verhaltensforschung tätig. Als 1951 die neue Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung am damaligen Max-Planck-Institut für Meeresbiologie eingerichtet wurde, wechselten Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld gemeinsam dorthin. Ab 1956 arbeitete Eibl-Eibesfeld am neu gegründeten Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie.

Forschungsreisen in die Karibik und auf die Galapagos-Inseln

Bereits als junger Wissenschaftler nahm Irenäus Eibl-Eibesfeld an Forschungsreisen und Expedition teil: 1953-54 begleitete der die Xarifa-Expedition des Meeresbiologen Hans Haas in die Karibik und zu den Galapagos-Inseln. Bereits 1957 folgte eine weitere Forschungsreise im Auftrag der UNESCO, um die ökologischen Verhältnisse auf den Galapagos-Inseln zu dokumentieren. Die zweite Xarifa-Expedition von Hans Haas begleitete Eibl-Eibesfeld 1957-58 als wissenschaftlicher Direktor. Aufgrund der starken Eindrücke, die Eibl-Eibesfeld auf seinen Forschungsreisen von Pflanzen- und Tierwelt erhielt, setzte er sich intensiv für den Naturschutz ein. Auf seine Initiative hin wurden Schutzgebiete auf den Inseln eingerichtet und die Charles-Darwin-Forschungsstation auf Santa Cruz gebaut.

Lehrtätigkeiten und Begründung der Humanethologie

Seit 1963 war Eibl-Eibesfeld als Privatdozent an der LMU München tätig. 1969 wurde er dort zum außerplanmäßigen Professor für Zoologie benannt (1996 erimitiert). Seit Ende der 1960er widmete sich Eibl-Eibesfeld jedoch vermehrt der Verhaltensforschung. Auf Grundlage seiner Forschungen begründete er 1984 dieHumanethologie als Universitätsfach sowie als Forschungsrichtung. Von 1975-1996 war er Leiter der selbständigen Forschungsstelle Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft.

Akademisches Standardwerk zur Verhaltensforschung

Der Schwerpunkt der Forschungen von Eibl-Eibesfeld lag immer auf dem Verhalten, zunächst auf der Untersuchung des Verhaltens von Tieren. Bereits auf seinen frühen Xarifa-Expeditionen beschäftigte sich der Ethologe mit der Kommunikation im Tierreich und insbesondere der Verhaltensentwicklung von Tieren. Sein 1967 erschienenes Werk “ Grundriss der Vergleichenden Verhaltensforschung“ war das erste Lehrbuch, das zu diesem Thema veröffentlicht wurde und gilt als Standardwerk in diesem Bereich schlechthin. Es fasst die bis dahin gewonnen Forschungsergebnisse auf beeindruckende Weise zusammen.

Menschliche Verhaltenweisen rücken zunehmend in den Vordergrund

Mit Ende der 1960er Jahre rückt jedoch das menschliche Verhalten zunehmend in den Blickpunkt des Wissenschaftlers. Er geht in den kommenden Jahren insbesondere der Frage nach, wie sich das menschliche Verhalten entwickelt: Welche Bereiche sind angeboren sind und welche sich durch die jeweilige Kultur bedingt? Zudem widmet sich Eibl-Eibesfeld der Theorie einer universellen menschlichen Sprache in Mimik und Gestik bzw. eines universellen menschlichen Verhaltens (beispielsweise bei Wut, Freude oder Trauer) unabhängig vom jeweiligen kulturellen Hintergrund.

Theorie von der Fremdenscheu

Eibl-Eibesfeld stellte im Rahmen seiner Forschungen die Theorie auf, dass Fremdenscheu angeboren ist. Als Konsequenz muss deshalb auch die Zuwanderung begrenzt werden. Mit dieser Theorie löste der Wissenschaftler kontroverse Diskussion aus, weshalb er seine Ausführungen in der Folge erweiterte und den Unterschied zwischen Fremdenscheu und Fremdenhass herausstellte: Fremdenscheu ist ein angeborenes menschliches Verhalten, das unabhängig vom jeweiligen kulturellen Hintergrund ist. Fremdenhass hingegen ist anerzogen und folglich kulturell bedingt.

Stadtethologie

Ende der 1980er widmete sich Eibl-Eibesfeld der sogenannten Stadtethologie und dem Verhalten von Menschen in der Stadt. Ausgehend von der Theorie, dass das menschliche Verhalten auf ein gemeinschaftliches Leben in Gruppen ausgerichtet ist, untersuchte er das menschliche Verhalten in Städten, deren Gesellschaft eher anonym denn gemeinschaftlich aufgestellt ist.

Auszeichnungen

Irenäus Eibl-Eibesfeld hat für seine Forschung und wissenschaftliche Werke zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Zu den wichtigsten zählen die Goldene-Bölsche-Medaille der Kosmos-Gesellschaft sowie das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, das er 1995 erhielt. 1998 wurde Eibl-Eibesfeld zudem mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet.

Irenäus Eibl-Eibesfeld gilt als der bedeutendsten Verhaltensforscher unserer Zeit. Seine wissenschaftlichen Werke, insbesondere zur Vergleichenden Verhaltensforschung, gelten als Standardliteratur. Der Wissenschaftler hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.